„Die Grundidee der Ausstellung ist es, den Diskurs voranzutreiben“, bringt Künstler und Kurator Alexander Schippel es auf den Punkt. Er meint damit die Ausstellung „You Cannot Do Nothing“ in der Galerie Alte Schule  (noch bis zum 21. Mai!) in Berlin-Köpenick.

Die Sammlung verschiedener Bilder und Ansichten zur Veränderung in Europa unter dem Einfluss hunderttausender Menschen im Transit „will dazu einladen, die eigene Meinung zur Flüchtlingsfrage zu prüfen und zu hinterfragen“, erklärt er.

Zur Eröffnung der Ausstellung kamen rund 40 Bewohner aus der ASB-Notunterkunft.
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Sieben Künstler auf 350 Quadratmetern

Schippel hat die Ausstellung gemeinsam mit der Berliner Künstlerin Susa Templin konzipiert. Auf 350 Quadratmetern werden in der kommunalen Galerie Treptow-Köpenick ganz verschiedene Arbeiten von sieben internationalen Künstlern einander gegenübergestellt. Die Breite der Stilmittel ist groß: Sie reicht von Fotografie über öffentlich gemachte Meinungen aus dem Internet bis hin zu Berichten und Bildern von Geflüchteten. Die Verflechtung einzelner Elemente verfolgt ein Ziel: Diskurs anregen.

ASB-Notunterkunft Teil der Ausstellung

Auch Schippels Arbeiten befinden sich unter den Werken. Er hat die Hochbetten in der ASB-Notunterkunft Glienicker Straße fotografiert. Über mehrere Wochen hinweg war er fast täglich in der Turnhalle. „Als die Bewohner sich an mich gewöhnt hatten“, erinnert Schippel sich, „haben sie mir viele sehr emotionale Geschichten erzählt.“

Diese sind teilweise direkt in die Ausstellung eingeflossen. Auch in Form von Handyvideos, die die Bewohner auf den Booten im Mittelmeer drehten. Es sind dramatische Bilder, die Schippel ganz bewusst gewählt hat: „Es ging mir darum, Authentizität herzustellen.“

Mehrere Bewohner kamen in die Galerie

Entstanden ist dabei ein – teilweise auch ungemütlicher – Parcours aus verschiedenen visuellen, skulpturalen und audiovisuellen Stationen. Die Bewohner der Glienicker Straße sollen laut Schippel „nicht nur als Objekt dienen, sondern aktiv einbezogen werden“. Da war es nur logisch, dass rund 40 Bewohner zur Eröffnung der Ausstellung kamen.

Vom Grenzzaun bis zur Erdplatte

Die Fotografien von Sven Johne entstanden an Europas Meeresküsten und setzen sich mit den existenziellen Geschichten hinter den idyllischen Ansichten auseinander. Mauern und Grenzen auf der ganzen Welt sind die Motive von Kai Wiedenhöfer. Andre Malerbas Fotoreportage über die Verfolgung Andersgläubiger in Myanmar soll zeigen, dass Flucht ein internationales Thema ist. Der amerikanische Künstler Peter Fend versucht, anhand geologischer Skulpturen und Modelle, mögliche Lösungsvorschläge für Migrationsbewegungen zu geben.

Die großformatigen Zeichnungen der Berliner Künstlerin Kati Gausmann zeigen die Verschiebungen der geologischen Erdplatten, auf denen die Grenzen zwischen den Kontinenten wandern. Alexander Schippel und Susa Templin transportieren das Empfinden von Fremdheit und Orientierungslosigkeit in unbekannten Räumen anhand künstlerischer Fotografie und einer begehbaren Installation im Ausstellungsraum.

Die ASB-Nothilfe Berlin gGmbH betreibt in Berlin vier Unterkünfte für mehr als 2.000 Flüchtlinge. 2016 ist für den ASB das “Jahr der Integration”. Mit verschiedenen Projekten, die von Mitarbeitern des ASB und vielen ehrenamtlichen Helfern organisiert werden, sollen die Bewohner ihren Alltag in den ASB-Unterkünften aktiv mitgestalten.

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