Die ASB Notunterkunft im Rathaus Wilmersdorf steht in der Kritik. In einer offiziellen Stellungnahme der ehrenamtlichen Helfer aus dem Haus heißt es zu den Vorwürfen: “Diese Behauptungen entbehren jeder Grundlage.” Lesen Sie hier die ganze Stellungnahme im wortlaut.

In den letzten Tagen gab es scharfe Kritik an der vom ASB geführten Notunterkunft im Rathaus Wilmersdorf. Es geht um angebliche Prügeleien, Unterversorgung und sich zurückziehende Freiwillige. Diese Behauptungen entbehren jeder Grundlage.

Angeblich „blutige Prügelei“ am 29. April.

Die von einigen Medien geschilderten Vorfälle am 29. April, denen zu Folge es zu einer „Revolte“, „Prügeleien mit Wachschützern“, sich in „in ihren Büros eingeschlossenen“ und nicht zu erreichenden Mitarbeitern sowie einer „Versuchten Stürmung der Büros“ durch die Bewohnern gab, sind falsch! Richtig ist: In den Tagen zuvor hatte das Haus einen neuen Caterer bekommen. Statt fertig portioniertem, abgepacktem Essen in Aluschalen wird nun wie in anderen Kantinen das Essen auf Teller ausgegeben. Diese Umstellung hat in den ersten Tagen nicht optimal funktioniert, es gab verlängerte Wartezeiten, die Ausgabe verlief schleppend. Entsprechend kam es zu Beschwerden von Freiwilligen und Bewohnern.

Jedoch gab es keine Prügelei, keine Gewaltanwendung von Bewohnern oder Sicherheitsleuten, keine Verletzten, nichts wurde beschädigt. Der angeblich nicht zu erreichende Stabstellenleiter Philipp Bertram, weitere Mitarbeiter und zahlreiche Freiwillige waren vor Ort und sprachen mit der routinemäßig gerufenen Polizei und den Bewohnern. Die Polizei hat keine Personalien aufgenommen, was sie bei einer Prügelei getan hätte.

Wir wünschen uns demokratisch aufgeklärte und mündige Bewohner. Diese haben natürlich das Recht, sich zu beschweren.

Die Bewohner bekämen zu wenig zu essen.

Dieser Behauptung widersprechen wir energisch. Als Freiwillige kontrollieren wir das Essen hinsichtlich Menge und Qualität, denn in der Vergangenheit gab es Grund zur Kritik und wir verstehen uns durchaus als „Frühwarnsystem“, um eventuelle Mängel benennen zu können. Kommt es zu Beanstandungen melden wir dies. Es gab Probleme bei der Umstellung des Caterers. Diese sind benannt und behoben. Kein Bewohner in diesem Haus hungert oder wird unterversorgt.

Flüchtlingshelfer zögen sich aus ASB-Heim zurück.

Unter den vielen Ehrenamtlichen waren zahlreiche Mediziner, die in den ersten Monaten eine sehr gute medizinische Versorgung aufgebaut haben, da dem Haus kein hauptamtliches medizinisches Personal zur Verfügung gestellt wurde. Eine zentrale Rolle hat dabei die Initiative „Medizin hilft Flüchtlingen“ (MhF) gespielt. Da der Medizinbereich bis Ende November jedoch gut etabliert war, hat sich die Initiative zum 1. Dezember aus dem Rathaus zurückgezogen, um sich um Unterkünfte zu kümmern, denen entsprechende Strukturen fehlten.

Allerdings wurde MhF weiterhin ein Lagerraum zur Verfügung gestellt, den sie zur Mitte des Jahres räumen sollten. Dass die Situation mit MhF nun wegen eines Lagerraums eskaliert, ist bedauerlich, vor allem da weiterhin mehr als zehn ehrenamtliche Ärzte, Schwestern und Hebammen zusätzlich zur hauptamtlichen Struktur im Einsatz sind. Bzgl. des Lagerraums gehen wir davon aus, dass eine einvernehmliche Lösung möglich ist.

Leserbrief der Ärztin
Leserbrief der Ärztin
Am 22. Mai erschien der Leserbrief von Ärztin Mithu im Tagesspiegel. Sie stellt Vorwürfe im Medizinischen Bereich der Notunterkunft Wilmersdorf richtig.
„Die Flüchtlingshelfer“ aber ziehen sich nicht zurück.

Als Freiwillige werden wir weiterhin engagiert vor Ort sein. Wir werden auch nach über neun Monaten im Einsatz weiterhin öffentlich auf Fehler von Politik, Behörden und Trägern hinweisen und uns damit gerne auch an manchen Stellen unbeliebt machen, denn natürlich gibt es weiterhin Grund zur Kritik. Zum Vorwurf der nicht sachgerechten oder fehlerhaften Abrechnung durch den ASB können wir uns als Freiwillige nicht äußern, da wir keinen Einblick in die Finanzen des Trägers haben. Dies aufzuklären ist Aufgabe des ASB, was wir selbstverständlich fordern. Der ASB hat am 17. Mai diese Aufklärung zugesichert.

Berlin, 19. Mai 2016

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NUK Wilmersdorf: Stellungnahme der ehrenamtlichen Helfer

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