Bildung und Beschäftigung sind zwingende Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Integration in eine neue Gesellschaft. Ein Joint Venture aus Privatunternehmen, der Agentur für Arbeit und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) vermittelt Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft Zehlendorf Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

„Ich habe im Irak viele Jahre als LKW-Fahrer gearbeitet“, sagt Aws Schakir Algburi. Bei diesen Worten hört Jürgen Richlitzki, Geschäftsführer von der Berlin Recycling GmbH (BR), besonders aufmerksam zu. Der Unternehmer ist zu Besuch auf der Informationsveranstaltung Jobvermittlung in der ASB Gemeinschaftsunterkunft Zehlendorf und auf der Suche nach Kraftfahrern. Der ASB will mit diesem Kooperationsprojekt zu einer schnelleren Vermittlung von Arbeitsplätzen und einer besseren Integration beitragen.

20 Bewohner der Unterkunft sind heute eingeladen, an der Jobvermittlung teilzunehmen. Richlitzki stellt ihnen die BR, ein Unternehmen mit 300 Beschäftigten, 100 Müllfahrzeugen und rund 75.000 Kunden, vor. Besonders eindrucksvoll ist der Vortrag eines seiner Mitarbeiter, der einen „typischen“ Arbeitstag als Müllmann schildert. Die BR will „ihren Teil“ zur Flüchtlingshilfe beitragen: Sie bietet Arbeitsplätze für geflüchtete Menschen an und will möglichst viele Flüchtlingen erreichen. Die Idee zu einer Jobvermittlung kam Richlitzki, als er im Januar im Tagesspiegel auf einen Artikel über Dr. Sandra Jochheim und ihr Engagement in der Zehlendorfer Flüchtlingsunterkunft stieß.

Frank Kretschmar von der „Spezialeinheit“ Arbeitgeber-Service Asyl, der Agentur für Arbeit, berät die Bewohner zu möglichen Jobangeboten.
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„Ich kannte Frau Jochheim von einer früheren Zusammenarbeit bereits persönlich“, erklärt er, „da habe ich sie einfach angerufen.“ Jochheim engagiert sich praktisch vom ersten Tag an in der ASB Gemeinschaftsunterkunft Zehlendorf. Innerhalb weniger Wochen hat sie ein florierendes Integrationscafé in der Unterkunft etabliert, in dem sich externe Nachbarn und Bewohner zweimal in der Woche zum Austausch treffen. „Dank der Unterstützung durch die BR konnten wir mit den Bewohnern professionelle Interviews führen“, sagt Jochheim, „und sehr präzise Profile erstellen.“ Auch Jochheim unterstützt das Projekt mit privaten Mitteln. Sie buchte für die Bewohner einen Fotografen, um professionelle Bewerbungsfotos zu machen.

Genau diese Vorarbeit ist für Unternehmen und die Agentur für Arbeit sehr wertvoll. Das bestätigt Anita Leese-Hehmke von der „Spezialeinheit“ Arbeitgeber-Service Asyl: „Die Ermittlung der Fähigkeiten und Kenntnisse der Bewerber im Vorfeld erleichtert unsere Arbeit erheblich.“ Leese-Hehmke und ihr Kollege Frank Kretschmar beraten Unternehmen bei der Beschäftigung von anerkannten Flüchtlingen und AsylbewerberInnen. „Es gibt eine große Nachfrage“, sagt Leese-Hehmke, „wir suchen vor allem Leute für den Bau und das Handwerk.“

Mindestens Sprachniveau A 2

Die Informationsveranstaltung Jobvermittlung in der ASB Flüchtlingsunterkunft nutzen die beiden Mitglieder des Arbeitgeber-Service Asyl, um die Bewohner auf die Möglichkeiten einer Berufsausbildung hinzuweisen. Eines wird ganz deutlich: Ohne relevante Kenntnisse der deutschen Sprache sind die Chance sehr gering. „Gerade in kaufmännischen Berufen ist eine Sprachniveau von A 2 absolutes Minimum“, betont Leese-Hehmke.

In kleinen Gruppen erklären die Agenturberater welche Qualifikationen für die jeweiligen Berufe und Ausbildungen erforderlich sind. In einem nächsten Schritt werde man die Bewerber zu Einzelgesprächen in die Agentur für Arbeit Berlin-Süd einladen. Lese-Hehmke ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Ich habe mir schon ein paar Notizen gemacht, wer für welches Unternehmen in Frage kommt“, verrät sie.

Für den Anfang ein Praktikum

Den ersten Erfolgen der Informationsveranstaltung Jobvermittlung ging eine lange und gründliche Vorbereitungsphase voraus, verrät die stellvertretende Heimleiterin Awaz Dosky: „Wir arbeiten seit Anfang des Jahres an diesem Projekt.“ Die Teilnehmer für die Jobvermittlung habe man ermittelt, indem nach den Chancen auf Bleibeperspektive gefiltert wurde. Daher seien vor allem Bewohner aus Syrien und dem Irak ausgewählt worden. „Bislang haben wir, gemeinsam mit einer Fachkraft, rund 100 Interviews geführt“, erklärt Dosky, „und diese dann gemeinsam mit Frau Jochheim ausgewertet.“

Richlitzki erhofft sich durch die Jobvermittlung „mindestens einen Kraftffahrer zu gewinnen.“ Die Chancen stehen nicht schlecht. Drei der 20 Bewohner interessieren sich spontan für eine Tätigkeit bei Recycling Berlin. Mit dem jungen Iraker Algburi vereinbart Richlitzki kurzerhand eine Probearbeit. Richlitzki ist zufrieden: „Er wird bei uns ein vierwöchiges Praktikum absolvieren und dann gucken wir weiter.“

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Ohne Sprachkenntnisse, keinen Job
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