Flüchtlinge der ASB-Notunterkunft Wilmersdorf arbeiten
„Mein Ziel ist es, so gut zu werden, dass eines Tages auch Schauspieler zu uns kommen“, sagt Amin. Der junge Mann ist einer von vier Friseuren, die in dem hauseigenen Friseurladen der ASB-Notunterkunft Wilmersdorf arbeiten. Am 23. November 2015 hat das Geschäft in der Unterkunft für Flüchtlinge feierlich eröffnet. Die systematische Integration von Flüchtlingen hat in Wilmersdorf Konzept.

Integration von Anfang an

Die Friseure sind nicht die einzigen Flüchtlinge, die in der Unterkunft mitarbeiten. Auch in der Küche und der Wäscherei packen Bewohner bereits mit an. „Wir wollen die Menschen von Anfang an integrieren“, sagt Philipp Bertram, der stellvertretende Heimleiter der ASB-Notunterkunft. „Eine sinnvolle Beschäftigung ist ein sehr guter Weg, den Menschen zu mehr Würde und einem schnellen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu verhelfen.“

Initiatorin Emine El-Mahmoud zusammen mit den vier Friseuren der ASB-Notunterkunft Wilmersdorf.
Initiatorin Emine El-Mahmoud zusammen mit den vier Friseuren der ASB-Notunterkunft Wilmersdorf.

Ein Gefühl von Normalität

Der Frisörladen erfüllt sogar eine doppelte Funktion: Er gibt den Bewohnern nicht nur Arbeit, sondern auch die Möglichkeit, sich wieder als Mensch zu fühlen. „Ein Friseurbesuch ist weitaus mehr, als nur ein Haarschnitt“, sagt Emine El-Mahmoud, „er gibt den Menschen das Gefühl von Normalität und Wertschätzung.“ Zunächst hatte sie sich überlegt, den Bewohnern die Haare selbst zu schneiden. Doch als selbstständige Friseurmeisterin wären die 1.000 Bewohner schlicht zu viel gewesen.

Die Leute ein “bisschen treten”

So kam El-Mahmoud die Idee, einen Friseurladen in der Unterkunft zu eröffnen, in dem die Bewohner selber arbeiten. Ihre Netzwerke aus der Lokalpolitik und gute Kontakte zu Sponsoren, wie Schwarzkopf und Stopperka, ermöglichten eine unbürokratische Umsetzung der Idee. Auch wenn sie die Leute „manchmal ein bisschen treten musste“, war der Laden innerhalb von nur sechs Wochen fertig. Den Vergleich mit „normalen“ Friseurläden muss er nicht scheuen.

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Die professionelle Ausstattung gibt den Bewohnern ein Stück Normalität und Wertschätzung zurück.

Sie weiß genau wovon sie redet

„Es handelt sich bei den Menschen hier nicht nur um zukünftige Hartz-IV-Empfänger“, betont El-Mahmoud. Das Potenzial der Flüchtlinge für die Wirtschaft und die Gesellschaft sei sehr groß. El-Mahmoud weiß genau wovon sie redet. Denn sie stammt selbst aus einer Gastarbeiterfamilie und ist mit jemandem verheiratet, der als Flüchtling nach Deutschland kam. Auch deshalb ist es ihr so wichtig, dass die Menschen außerhalb der Unterkunft von dem Willen und den Talenten der Flüchtlinge erfahren.

Brad Pitt in Wilmersdorf

Die vier Friseure freuen sich sehr über ihre neue Aufgabe. Auf die Frage, welchen Schauspieler er sich denn wünschen würde, antwortet Amin zunächst nur mit einem verlegenen Lachen. Nach kurzem Überlegen fällt ihm doch jemand ein: „Prad Pitt wäre perfekt!“

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Sich wieder als Mensch fühlen
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